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Mädchen kommunizieren anders als Jungen. Jedenfalls im Physikunterricht: Mädchen fragen mehr, Jungen sagen direkt, was sie denken. Wie eine Studie aus Shanghai am Beispiel des Faches Physik zeigt, beeinflusst dies den Lernerfolg in der Gruppe. Fazit: Mädchen lernen mehr, wenn sie mit Mädchen zusammenarbeiten. Bei den Jungen ist der Einfluss der Geschlechterzusammensetzung gering. Bemerkenswert: Arbeiten Jungen mit Mädchen, gehen sie den Prozess des Problemlösens sorgfältiger an.
Der Gruppenunterricht ist aus dem Unterricht nicht mehr wegzudenken. Die Schülerinnen und Schüler, so ist in der Literatur nachzulesen, sondieren Probleme in der Gruppe effizienter als alleine und profitieren von den verschiedenen Perspektiven der Gruppenmitglieder. So weit, so gut. Eine Studie aus Shanghai zeigt nun am Beispiel des Physikunterrichts auf, dass Gruppenunterricht den Lernerfolg auch behindern kann: Mädchen lernen laut dieser Studie weniger, wenn sie mit Jungen zusammenarbeiten. Die Studie wurde im Dezember 2006 im "Journal of Science Education and Technology" publiziert. Es nahmen 26 Mädchen und 24 Jungen im Alter von 16 Jahren teil.
Wie schon frühere Studien kommt diese Untersuchung zum Schluss, dass Mädchen und Jungen unterschiedliche Kommunikationsstile pflegen, wenn sie miteinander verkehren: Junge Frauen beginnen ein Gespräch häufiger mit einer Frage als ihre männlichen Kollegen, während die jungen Männer Diskussionen öfter mit einer Erklärung loslegen.
Dasselbe Kommunikationsmuster zeigte sich nun in der Studie aus Shanghai: Arbeitete ein Mädchen mit einem Jungen zusammen, war es das Mädchen, das die meisten Fragen stellte. Die Jungen fragten kaum, sondern lieferten Antworten.
Anders jedoch verhielt sich die Sache in Mädchen-Mädchen-Gruppen: Dort suchten die jungen Frauen aktiver nach Lösungen und traten sicherer auf. Diese Mädchen schnitten in der nachfolgenden Prüfung auch signifikant besser ab (gleich gut wie die Jungen) als jene Mädchen, die mit männlichen Kollegen zusammengearbeitet hatten.
Sollten Mädchen im Physikunterricht nur noch mit Mädchen zusammenarbeiten? Laut den Autoren N. Ding und E. Harshkamp ist dies nur eine von vielen möglichen Lösungen. Zuerst müssten die Resultate in anderen Kulturen verifiziert werden. Dann könne man zum Beispiel über ein Computerprogramm nachdenken, das Jungen und Mädchen in der gemeinsamen Arbeit unterstützt: Indem es zum Beispiel Tipps gibt oder nachprüft, ob die Antworten korrekt sind. Dann würde bald klar, dass Jungen genauso viele (oder wenige) Fehler machen wie Mädchen.
N. Ding, E. Harshkamp: How Partner Gender Influences Female Student's Problem Solving in Physics Education
Journal of Science Education and Technology Vol. 15, No 5, December 2006,
pp 331 - 343
Hier geht's zum Abstract.
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