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Mit Rückmeldungen Kompetenzen fördern

Redaktion und Review

Themenauswahl und Redaktion
Gaby Schweizer

Fachliches Review:

Dr. Henrik Saalbach

bis August 2011: Prof. Dr. Michael Schneider

Über die Wirksamkeit von Rückmeldungen im schulischen Kontext wurde schon viel geforscht. Rückmeldungen sind beispielsweise umso lernwirksamer, je aufgabenbezogener und detaillierter sie sind. Eine Studie mit Gymnasialschülern zeigt nun einen weiteren Weg auf, wie Rückmeldungen leistungssteigernd wirken können. 

Wenn von Bildungszielen die Rede ist, fällt meist der Begriff der "Kompetenz". Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich schreibt beispielsweise auf ihrer Website, dass "überfachliche Kompetenzen (Selbst- und Methodenkompetenz, Kommunikationsfähigkeit u.ä.) wichtige Bildungsziele der Gymnasien" seien, diese Ziele jedoch laut verschiedenen Berichten "vielfach nur unzureichend erreicht werden."
Für die Praxis stellt sich deshalb die Frage, wie sich der Erwerb bzw. die Vermittlung der oben genannten Kompetenzen im Fachunterricht konkret gestalten soll. In diesem Zusammenhang interessant ist eine Studie mit 38 Gymnasialschülerinnen und -schülern aus Kiel. Mareike Wollenschläger, Jens Möller und Ute Harms haben im Fach Chemie untersucht, welche Auswirkungen Rückmeldungen haben, die sich auf (die für eine Aufgabe notwendigen) Methodenkompetenzen beziehen. Ihre Feststellung: Solche Rückmeldungen wirken sich klar leistungsfördernd aus.

Das Vorgehen: In fünf Aufgaben wurden den Schülerinnen und Schülern wissenschaftliche Fragestellungen in alltagsnahen Situationen beschrieben, worauf die Lernenden das Experiment schriftlich planen mussten. Um ein Experiment zu planen, ist laut den Forschenden eine Methodenkompetenz erforderlich, deren Niveaustufen mit zunehmender Komplexität steigen:

  1. Eine Variable identifizieren
  2. Veränderte und zu messende Variable in Beziehung setzen
  3. Kontrollvariablen berücksichtigen
  4. Stichprobe, Messwiederholung und Versuchsdauer berücksichtigen
  5. Untersuchungsmethoden, Genauigkeit und Versuchsdauer berücksichtigen


Für die kompetenzorientierte Rückmeldung wurden die obigen Kompetenzstufen für die Schülerinnen und Schüler in eine verständlichere Sprache übersetzt. So wurde etwa im Hinblick auf Punkt 3 rückgemeldet: "Bei der Planung des Experimentes hast du andere Einflussfaktoren, die du nicht untersuchen willst, gleich gehalten." 

Die erste Gruppe der Schülerinnen und Schüler erhielt nach jeder Aufgabe von der Lehrperson eine Rückmeldung über die erreichten und die noch anzustrebenden Kompetenzstufen. Die zweite Gruppe wurde ganz zu Beginn (also vor der Bearbeitung der fünf Aufgaben) über die nötigen Kompetenzen informiert. Nach der Erledigung aller Aufgaben schätzten die Schülerinnen und Schüler beider Gruppen die Motivation ein, mit der sie die Aufgaben bearbeitet hatten.

Das Resultat: Die erste Gruppe schnitt in ihren Leistungen deutlich besser ab als die zweite Gruppe. Neben den deutlich besseren Leistungen in der Aufgabenbearbeitung fanden die Forscher bei der ersten Gruppe ausserdem ein tendenziell höheres Interesse und Kompetenzerleben als bei der Gruppe ohne Rückmeldungen. 

Fazit: Kompetenz-Rückmeldungen können die Leistungen von Schülerinnen und Schülern steigern. Die Autorinnen und Autoren vermuten, dass die Lernenden aus den Rückmeldungen günstige Bearbeitungsstrategien ableiten konnten. Der zweiten Gruppe, die zu Beginn der Aufgabenreihe über dieselben Kompetenzen informiert worden war, gelang dies offenbar weniger gut.

Themenverwandte Newstickermeldung vom 9.9.2008:
Das Wissen um leistungsrelevante Kompetenzen steigert den Lernerfolg


Quelle:
Effekte kompetenzieller Rückmeldung beim wissenschaftlichen Denken
Zeitschrift für pädagogische Psychologie, 25 (3), 2011, 197-202

19.12.2011




 

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