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Redaktion und Review
Themenauswahl und Redaktion
Gaby Schweizer
Fachliches Review:
Dr. Henrik Saalbach
bis August 2011: Prof. Dr. Michael Schneider
Noten und Zeugnisse werden in unseren Schulen von den Lehrpersonen erteilt. Sind Noten "neutral", also unbeeinflusst vom Eindruck, den die Lehrperson von ihren Schülerinnen und Schülern hat? Nein, sagt eine Studie aus Finnland mit über 3200 Schülerinnen und Schülern: Das Temperament* der Schülerinnen und Schüler fliesst in die Notengebung mit ein.
Das Temperament* eines Kindes und seine kognitiven Fähigkeiten sind zwei verschiedene Dinge. In Studien wurden maximal nur schwache Zusammenhänge zwischen beiden Grössen gefunden. Dennoch weisen einige Studien darauf hin, dass das (wahrgenommene) Temperament eines Kindes oder Jugendlichen die Erwartungshaltung der Lehrperson gegenüber diesem Kind beeinflusst.
Eine neue Studie mit über 3200 Schülerinnen und Schülern (13 bis 19 Jahre) aus 64 finnischen Schulen hat nun einige Zusammenhänge genauer untersucht und gefragt: Korrelieren die Schüler-Wahrnehmungen der Lehrperson mit den Zeugnisnoten in Mathematik und der Muttersprache? Für diesen Zweck wurden die beteiligten Lehrpersonen aufgefordert, das Temperament und die "Bildungskompetenz" ihrer Schülerinnen und Schüler einzuschätzen. Diese Einschätzungen wurden dann mit den aktuellsten Zeugnisnoten verglichen. Das Temperament und die Bildungskompetenz wurden folgendermassen umschrieben:
Einige (ausgewählte) Resultate:
Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass bei der Interpretation der Ergebnisse nicht vergessen werden darf, dass Korrelationen kein Ursache-Wirkungsprinzip darstellen: Die Frage, ob gewisse Temperamenteigenschaften einen Einfluss auf die Noten haben oder umgekehrt, lässt sich mittels Korrelationen nicht beantworten.
Dennoch lautet das Fazit der Autoren: "Die Resultate deuten darauf hin, dass Lehrpersonen mehr Informationen zum Einfluss von Temperament benötigen, um besser zwischen Temperament und kognitiven Fähigkeiten unterscheiden zu können." Die Konsequenz daraus wäre laut den Autoren eine gerechtere Einschätzung aller Schülerinnen und Schülern, da kaum ein Zusammenhang zwischen (objektiv) gemessenem Temperament und (objektiv gemessener) kognitiver Fähigkeit existiere.
*Das Temperament beschreibt die Art und Weise, wie ein Mensch agiert und reagiert, gewissermassen seinen Verhaltensstil. Dieser ist über die Zeit gesehen relativ stabil und teilweise vererbt. Das Temperament (gemeinsam mit der wachsenden Erfahrung) kann als "Rohmaterial" für die heranwachsende Persönlichkeit betrachtet werden.
Quelle:
Sari Mullola et al (2010): Teacher-perceived temperament und educational competence as predictors of school grades
Learning and Individual Differences. 20. 209-214
20. Dezember 2010
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